http://www.peter-wiegel.de/BadGong.html


Ich besuche relativ häufig das Typografie.info-Forum. Hier kam es zu
einer Diskussion über Schriftarten die wie mit Kreide geschrieben
aussehen. Schließlich warf ein Forenmitglied ein, dass die typische
Kreideschrift aus der Zeit der Bleilettern eine Schrift mit Namen Gong
sei. Ein anderes Forenmitglied fragte dann, ob es von dieser Schrift
mittlerweile auch eine digitalisierte Version gebe, und wie sich
herausstellte, gab es bisher keine. Die Schrift wurde von Carl (Carlos)
Wilkow (nach Kandler auch Wilckow) in den 1940er Jahren entworfen und
1945 zum ersten mal bei der Norddeutschen Schriftgießerei GmbH in
Berlin (und laut Luc Devroye  bei Johannes Wagner in Ingolstadt) zum
ersten male gegossen, und erlangte bis in die 1960er Jahre im
Akzidenzdruck großer beliebtheit, sodass sie in fast jeder
Akzidenz-Druckerei verfügbar war. Allerdings sind die vorhandenen
Lettern oft stark abgequetscht. Höchste Zeit für eine digitale Rettung,
bevor die letzten Abgüsse in der Zeug-Kiste landen.

Dies war der Anschluss für mich, mich um die Digitalisierung dieser
Schriftart zu bemühen. Andere Forenmitglieder steuerten hierfür einige
Abbildungen der betreffenden Schriftart zu, unter anderem eine
Abbildung aus dem bekannten Schriftmusterbuch „Kandler“, wobei alle
aufzutreiben sind Abbildungen deutlich zeigten, dass sie alle von schon
ziemlich abgenutzten Lettern gedruckt waren. Trotzdem habe ich
versucht, von diesen Abbildungen erst einmal einen einigermaßen
verwendbaren  Zeichensatz zu erstellen. Und auch wenn ich über
Autotrace Generiertefonds nicht besonders liebe, um es mal nett
auszudrücken, habe ich diese Schriftart auf die Schnelle so erzeugt.
Das bedeutet natürlich, dass die einzelnen Formen nicht besonders
sauber sind. O.k., dies ist der auch nur ein erster und eigentlich als
temporär angesehener Versuch, die Schriftart wiederzubeleben. Und da
ich diesen Font ja nun einmal schon erzeugt habe, möchte ich diesen als
Freewareversion hier auch anbieten.

Trotzdem ist dies natürlich nicht das Endziel. Ein Drucker in Berlin
hat mir angeboten, dass ich von seinen Bleilettern Fotos anfertigen
kann, bzw. anfertigen lassen kann, wenn ich jemanden mit einem
Fotoapparat bei ihm vorbei schicke. Dieses Angebot werde ich annehmen
und habe auch schon einen Bekannten aus Berlin gefragt, ob er diese
Fotos für mich machen wird. Wenn ich diese Fotos erst einmal habe,
werde ich die Konturen dieser Schriftart zunächst einmal sauber
nachzeichnen. Das bedeutet: im ersten Schritt wird daraus erst einmal
keine Kreideschrift entstehen, sondern eine Schriftart mit sauber
gezeichneten Konturen und vollständiggefüllten Flächen. Diese Form
wurde auch in Blei 1968 als  Jowa Script veröffentlicht, und
mittlerweile auch schon digitalisiert, wobei leider der Charakter der
Schrift etwas gelitten hat. Ich werde dies also näher am
Originalentwurf durchführen.

Im zweiten Schritt werden dann für jeden Buchstaben genau die Körnchen
des Kreide-Schriftbildes gezeichnet, richtig in den gerundeten Formen
der Original-Bleilettern. Als Endziel soll so gie ganze Familie wieder
angeboten werden, in allen 7 Entwurfsgrößen vom Doppelmittel (28
Punkte) bis zur 8 Cicero-Schrift mit ihrer entsprechend feineren
Struktur. Genau wie schon in der schnell erzeugten „Bad-Gong“ wird es
wieder einige Ligaturen und Alternativbuchtaben geben, welche
automatisch per OpenType-Funktionen eingesetzt werden. Wegen des extrem
hohen Aufwandes wird diese saubere Gong dann allerdings kein Free-Font
mehr sein können.
